Nachgefragt: Was wurde aus Christoph Exenberger, Lehrling des Jahres 2002?

Der heute 32-jährige Christoph Exenberger aus Bad Gastein war vor 15 Jahren der erste Gewinner des Wettbewerbes „Salzburg sucht den Lehrling“. Wir haben ihn interviewt und bei ihm nachgefragt, wie es ihm heute geht und was sich seit 2002 getan hat.

Sie wurden 2002 Lehrling des Jahres – was war das damals für ein Gefühl?

Da kann ich mich noch gut daran erinnern. Die Auszeichnung war für mich eine Bestätigung meiner Leistung. Ich habe damals meine Lehre im „Hotel Europäischer Hof“ in Bad Gastein absolviert und immer Unterstützung erhalten. Für mich war wichtig, dass man mit Fleiß und Motivation seine Ziele erreicht. Der „Lehrling des Jahres“ zu werden war ein großer Erfolg. Ich habe es anfänglich gar nicht glauben können.

Hat ihnen die Auszeichnung beim weiteren beruflichen Werdegang geholfen?

Es war für meine Ausbildung sicher eine gute Ergänzung. Wenn man bei Lehrlingswettbewerben teilnimmt, sehen Arbeitgeber, dass sich Lehrlinge über die Grundausbildung hinaus mit dem Lehrberuf beschäftigen. Preise und Auszeichnungen sind tolle Referenzen, die für den weiteren beruflichen Werdegang behilflich sein können. Die Trophäe steht immer noch bei mir zu Hause.

Was ist Ihrer Meinung nach an einer Lehrausbildung wertvoll?

Die Lehrausbildung in Österreich ist einzigartig und vorbildhaft für andere Länder. Ich sehe die Stärken im dualen Ausbildungssystem. Die Lehre hat sich weiterentwickelt. Es gibt die Lehre mit Matura, was die Ausbildung noch attraktiver macht. Ich würde mich wieder für eine Lehre entscheiden, weil ich in dieser Zeit viel gelernt habe und sich Freundschaften für das Leben entwickeln konnten.

Wie ist es bei Ihnen beruflich nach der Lehre weitergegangen?

Nach dem Lehrabschluss konnte ich nationale sowie internationale Erfahrungen sammeln. Unter anderem bei den Sacher Hotels in Salzburg und Wien sowie im Suvretta House in St. Moritz, wo ich erstmals in den Bereich Einkauf hineinschnuppern durfte. Anschließend absolvierte ich berufsbegleitend an der Fachhochschule Salzburg den Studienlehrgang ‚Entwicklung und Management touristischer Angebote‘ und habe nebenbei im Crown Plaza Hotel gearbeitet. Nach Abschluss des Studiums bin ich der Liebe wegen nach Wien gegangen und habe mich in eine andere berufliche Richtung entwickelt. Mein Fokus lag im Einkauf. Als Sortimentsmanager war ich bei der REWE-Gruppe für Billa zuständig, wo ich Backwaren und Milchprodukte eingekauft habe. Da ich drei Fremdsprachen spreche, wollte ich international tätig sein und habe bei Do & Co im internationalen Einkauf angefangen. Hier habe ich weltweit Backwaren, Molkereiprodukte, Obst und Gemüse eingekauft. Seit vier Jahren arbeite ich bei der Novartis Gruppe. Ich bin im strategischen Einkauf tätig und für die Kategorien Marketing, Kongresse und Veranstaltungen zuständig. Das ist eine tolle Herausforderung. Wir sind ein multinationales Unternehmen und haben mehrere Standorte in Österreich mit insgesamt 5.000 Mitarbeitern, darunter sind auch viele Lehrlinge.

Haben Sie weitere berufliche Pläne?

Da mich das Personalmanagement sehr interessiert, bilde ich mich in diese Richtung weiter. Vergangenes Jahr habe ich den englischsprachigen, berufsbegleitenden Masterstudienlehrgang „Strategic HR Management in Europe“ an der FH Wien erfolgreich abgeschlossen und kürzlich die Ausbildung zum geprüften Arbeitsrechtsexperten am WIFI abgelegt.

Welche Tipps können Sie Lehrlingen mit auf den Weg geben?

Man sollte sich auf jeden Fall realistische Ziele setzen. Mit Fleiß und Motivation lassen sich viele davon verwirklichen. Die Lehrzeit ist rückblickend gesehen schnell vergangen und deshalb sollte sie auch optimal genutzt werden. Auch die Teilnahme an Landes- und Bundeswettbewerben ist empfehlenswert, weil es Tore für weitere berufliche Möglichkeiten öffnet. Meiner Meinung nach ist die Lehre ein Sprungbrett für eine erfolgreiche Karriere, weil man als Fachkraft ausgebildet wird.

Wie sehen Sie in Zukunft den Lehrberuf?

Wir brauchen Fachkräfte in den verschiedensten Bereichen. Daher ist es wichtig, dass man Lehrlingen eine ausgezeichnete Ausbildung ermöglicht. Die Unternehmen wissen das und bringen den Lehrlingen neben einer guten Ausbildung auch Wertschätzung entgegen. Allerdings ist es auch wichtig, die Lehre moderner zu gestalten. Über Social-Media-Kanäle können die Jugendlichen noch gezielter angesprochen werden. In Österreich muss man sich mit der Lehrausbildung in keiner Weise verstecken. Unser duales Ausbildungssystem ist weit über die Grenzen hinaus bekannt.

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